Dr. Calin Burtica in seiner Colo-Proktologischen Praxis
Dr. Calin Burtica.
Foto: Johannes Wosilat

„Klares Wasser ist am Besten“

Hämorrhoiden und das Dusch-WC: Nach Operationen ist Wasser aus dem Tank nicht immer automatisch die erste Wahl

Dr. Calin Burtica betreibt mit seinen Kollegen Dr. Ali Asghar Katouzi und Dr. Heiko Vollmer ein Colo-Proktologisches Zentrum in Stuttgart. Zusammen bringen es die drei Spezialisten auf rund 30.000 Eingriffe am Patienten im Jahr. Sie sind Fachärzte rund um den Verdauungstrakt und also auch zum Thema Hämorrhoiden. Und Dusch-WCs gelten hier gemeinhin hygienisch als Mittel der Wahl. Ein Interview mit einem, der 23 Jahre Erfahrung im Thema hat.

Herr Dr. Burtica – was halten Sie von Dusch-WCs?

Ich glaube an die Reinigungswirkung des Wassers. Natürlich ist in unserem Fachgebiet Wasser besser als Toilettenpapier. Zum Dusch-WC habe ich ein nicht ganz ungestörtes Verhältnis. Als wir die aktuellen Räumlichkeiten übernommen haben, waren auf den Patiententoiletten Dusch-WCs installiert. Sie haben allerdings nicht lange funktioniert – für den öffentlichen Bereich waren sie auch zu kompliziert in der Bedienung. Ich persönlich denke, ein einfaches Bidet erfüllt den gleichen Zweck, sprich: macht sauber.

Ein typisches Krankheitsbild für Sie sind die Hämorrhoiden – eine Volkskrankheit, auch befördert durch Klopapier?

Das kann man so nicht sagen. Volkskrankheit stimmt – wir gehen von rund 25 Millionen Betroffenen aus, in der Altersgruppe über 45 ist beinahe jeder Zweite mit dem Problem vertraut. WC-Papier hingegen ist eher problem-verschärfend, aber nicht die Ursache: Das Papier reizt und viele Hämorrhoiden-Patienten können sich damit nur unzureichend sauber halten. Da ist Wasser die sehr viel bessere Alternative.

Das eben genannte Bidet zapft frisches Wasser aus der Leitung. Im klassischen Dusch-WC gibt es einen Tank, in dem Wasser elektrisch erwärmt wird und auch eine Weile zwischen den Benutzungen stehen kann. Probleme?

Für den Normalbürger sehe ich durch den Tank keine Probleme. Das Wasser wird wohl auf rund 35 Grad erwärmt und dann über den Duschstab an die Wirkungsstätte gepumpt. Im Fall von frisch Operierten wäre mir die Option „Frischwasser aus der Leitung“ allerdings lieber. Zum einen raten wir grundsätzlich zum Abduschen mit lauwarmem Wasser – zu warmes Wasser fördert die Durchblutung und kann sogar zu Komplikationen führen. Zum anderen ist frisches Trinkwasser aus der Leitung in Sachen Hygiene dem Wasser aus einem Tank vorzuziehen, wenn eine offene Wunde abgeduscht wird. Trinkwasser aus der Leitung hat ja in Deutschland eine ausgezeichnete und exakt definierte hygienische Qualität.

Was kann man tun, damit man keine Hämorrhoiden-Beschwerden bekommt?

Bei vielen Patienten liegt eine genetische Veranlagung vor – man kann aber selbst viel tun, damit die Veranlagung nicht zum Problem wird: Dazu gehört Bewegung und eine Ernährung, die weder zu dünnen Stuhlgang noch zu festen produziert. Dünner Stuhl reizt die Analregion, harter verursacht Pressen, was beides die Hämorrhoiden-Problematik befördert. Die Proktologie rät übrigens heute vom feuchten WC-Papier eher ab, weil die hier verwendeten Reinigungslotionen häufig ebenfalls reizend wirken. Am besten ist immer noch klares Wasser.

Vielen Dank für das Interview Herr Dr. Burtica.

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