innenleben eines Dusch-WC
Innenleben eines Dusch-WCs: Wie lange lebt die Elektronik?
Foto: Privat

Einfach währt am längsten:
Drei Strategien zur Auswahl und zum Einsatz eines Dusch-WC

Gleich am Anfang kommt die Crux: Es gibt tatsächlich Dusch-WCs für um die 350 Euro im Internet zu kaufen. Es gibt sie aber auch für 6.000 Euro im Fachhandel. Und man muss annehmen, dass man in beiden Ausprägungen etwas falsch und manches richtig machen kann. Die Herausforderung bleibt es, das passende Modell zu finden. Ein kleiner Strategieratgeber von einem, der sich als Journalist und Privatanwender seit mehr als einem Jahrzehnt mit dem Thema befasst. Von Holger Siegel

Das Dusch-WC wird mit der Wand verschraubt, es benötigt zusätzliche Anschlüsse wie Strom, Trinkwasser oder Warmwasser und wenn es schön aussehen soll, dann sollten die ganzen Leitungen unter Putz geführt werden. Es spricht nach diesem Aufwand vieles dafür, sich nicht das billigste Modell an die Wand zu dübeln und einen Markenanbieter zu wählen. Ihr Bad wird nämlich vermutlich mindestens 15 Jahre alt bis zur nächsten Renovierung – und wenn es keine Ersatzteile mehr gibt, dann verliert das Dusch-WC schnell seine Duscheigenschaft und wird zum schnöden Klosett. Eng mit der Lebensdauer verbunden ist die Elektronik (es gibt mittlerweile auch hydraulische Modelle, die ohne Strom auskommen): Wer so ein EDV-Dusch-WC mal aufgemacht hat, dem offenbart sich nicht selten ein wüster Kabelsalat mit vielen Computerbauteilen. Fragen Sie sich, welche Lebensdauer Sie dem Innenleben zutrauen. Fragen Sie außerdem ihren Verkäufer, wer im Zweifelsfall mit dem Lötkolben anrückt und die Bauteile wechselt oder ein Software-Update aufspielt. Ihr Sanitärinstallateur selbst? Eher nicht. Also sollte eine Art Werkskundendienst her oder ein Tausch-WC für den Fall, dass ihr Dusch-WC ein paar Tage per Spedition in die Wartung/Garantieabteilung muss.
Es ist ein gutes Gefühl, den Intimbereich mit Wasser zu reinigen. Aber wo kommt das Wasser her? Aus dem Tank oder direkt aus der Leitung? Nehmen Sie die Hygienefunktionen genau unter die Lupe: Dazu gehören die Möglichkeit der Entkalkung des Warmwasserbereiters, die Desinfizierung (thermisch/chemisch) des Tanks und der Leitungen. Zentrales Hygienethema ist der ausfahrende Duschstab, der sowohl mit Urin als auch mit Fäkalien in Kontakt kommen kann – besonders, wenn unerfahrene Nutzer beim Toilettenbesuch mit der Fernbedienung herumspielen. Kann man den Duschstab leicht entfernen, reinigen und tauschen? Die speziellen Lady-Düsen für die erweiterte Reinigung des Intimbereichs werden übrigens von vielen Frauen eher kritisch gesehen. Und last but not least: Das papierlose WC gibt’s auch mit dem Dusch-WC nicht (auch wenn das anfangs vorn Herstellern zuweilen versprochen wurde). Das Toilettenpapier ist für das Controlling der Hygieneleistung unverzichtbar und eine spülrandlose Keramik erleichtert die Reinigung.
Viele auf dem deutschen Markt erhältlichen Dusch-WCs kommen aus Asien, speziell aus Japan – und werden für hiesige Ansprüche überarbeitet. Je mehr Funktionen und Gimmicks das Produkt hat, desto Wahrscheinlicher ist die Abstammung aus Nippon. Sie sollten sich fragen, was Sie davon wirklich benötigen, denn vieles verkompliziert die Nutzung oder wird im Alltag dann gar nicht genutzt. Es hängt auch entscheidend davon ab, wo das Dusch-WC hängt: im privaten WC oder in einer Toilette, die auch Gäste besuchen. Im letzteren Fall ist es beim aktuellen Ausbildungsstand der Bevölkerung ratsam, zu verzichten oder ein möglichst einfaches Modell zu wählen. Zwar kommen erfahrungsgemäß Erstnutzer eh nicht mit der Technik klar – aber sie können bei den einfachen Modellen eben auch weniger Unheil (nasse Hose, verschmutzter Duschstab) anrichten. Sie sollten sich auch vorher überlegen, ob Sie jedem Gast eine Einweisung in das Produkt angedeihen lassen wollen. Wenn nicht, verlagern Sie das Dusch-WC besser ins Private. Spricht man mit erfahrenen Anwendern, reduziert sich das Dusch-WC in der Praxis häufig auf die Dusch-Funktion – und zwar in der Einstellung mit dem meisten Duschwasser. Selbst der Warmlufttrockner wird selten eingesetzt, weil erst nach einem Trockenwischen mit Toilettenpapier eben auch sicher ist, dass es sauber ist. Und weil das Fönen den meisten Menschen zu lange dauert. Fragewürdig sind auch Sitzheizung, motorisierte WC-Sitze und Späße wie der USB-Ladestecker für das Smartphone…

Fazit für eilige Leser:

Die Alltagserfahrung zeigt, dass das einfachste Modell eines Markenanbieters häufig das Rennen macht oder machen sollte. Wer die nackte Duschfunktion ohne Schnickschnack beim Fachgeschäft kauft, spart Geld, verringert die Komplexität eines altehrwürdigen Prozesses – und nach einer kurzen Einweisung kommt die ganze Familie damit klar. Als Gästeklo taugen die meisten Dusch-WC sowieso nur eingeschränkt.