Intimhygiene ist mit klassischem Toilettenpapier nicht zu machen. Das Dusch-WC, auch Japan-Toilette, Bidet-WC oder international „Washlet“ genannt, basiert auf dieser Erkenntnis. Diese funktionelle Erweiterung des klassischen WCs ist eine unkomplizierte Möglichkeit, das Hinterteil beim Toilettengang mit frischem, meist vorgewärmtem Wasser zu reinigen. Das Angebot an solchen Produkten ist riesig und reicht von 300-Euro-Aufsatzgeräten bis hin zur mehr als 5000 Euro teuren integrierten Lösungen. Happy Toilet sorgt als journalistisches Online-Magazin für Durchblick – schafft Transparenz und testet die Kriterien des Markt-Angebots aus.

Immer mehr Sanitärhersteller bieten inzwischen Dusch-WCs an. Nicht nur ältere Menschen schätzen zunehmend den Komfort und die Vorteile von Dusch-WCs. Wer einmal in Asien die dort weit verbreitete Reinigung mit Wasser anstatt mit Toilettenpapier kennengelernt hat, möchte im Anschluss daran meist nicht mehr darauf verzichten.
Um einen besseren Überblick über den aktuellen Dusch-WC-Markt zu bekommen, finden Sie auf den folgenden Seiten eine ausführliche Auflistung aktueller Modelle. Werden die einzelnen Dusch-WCs elektrisch oder stromlos betrieben? Wie lange ist dabei die maximale Duschdauer, wie viel Liter Wasser pro Minute werden beim Duschvorgang verwendet, ist die Trinkwasserabsicherung nach DIN EN 1717 gewährleistet und wie unterscheiden sich die Modelle im Preis?

Hier können Sie in einer übersichtlichen Tabelle die wichtigsten Kaufkriterien vergleichen.

Da alle Dusch-WCs die Gesäßdusche und die Ladydusche (Ausnahme sind hier Taharets) als Standard haben, wurden diese Funktionen nicht in die Liste mit aufgenommen.

Unterschieden werden zwischen

Dusch-WC integrierte Lösungen: WC-Keramiken mit integriertem Dusch-WC.

Universelle Dusch-WC-Aufsätze: Optionale Aufsatzgeräte, die mit jeder gängigen WC-Keramik kombinierbar sind.

Spezielle Dusch-WC-Aufsätze: Optionale Aufsatzgeräte, die nur mit bestimmten WC-Keramiken kompatibel sind.

Taharet-WCs: Statt einem Duschstab mit einer fest in die Keramik eingebauter Kugelkopfdüse, Kalt-/Warmwasserarmatur und reduzierten Funktionen.

Sieben Punkte, die beim Kauf eines Dusch-WCs entscheidend sind

Dusch-WC-Aufsatz

 

Einfach mal ranschrauben ist nicht: Dusch-WCs brauchen meistens einen Stromanschluss, immer einen Wasseranschluss und manchmal einen Warmwasseranschluss. Als Nachrüstlösung führt das fast immer zu unschönen Kabel- oder Wasserstrippen, die neben oder unterm WC hängen. Steht eine WC-Sanierung an, können die Anschlüsse vorbereitet werden und in der Keramik geführt werden.

Dusch-WC-Aufsatz oder integirerte Lösung

 

Ob Dusch-WC-Aufsatz oder voll in die WC-Keramik integrierte Technik ist eine Frage der Ästhetik und des Preises. Die Integrierten sind meist teurer – der Einbauaufwand auch höher. Hingegen können Aufsatzlösungen beim Umzug leichter mitgenommen werden.

Im Internet gibt es Dusch-WC-Lösungen ab 300 Euro. Das sind meist Varianten asiatischer Dusch-WCs, wo diese Produkte weit günstiger sind, weil mehr verbreitet. Wer eine Lösung will, die sich an der Lebensdauer des Bades orientiert, kann sich im Fachhandel informieren. Ab 1.500 Euro aufwärts liegen hier die Preise. Der Service: Ihnen steht Fachpersonal zum Einbau, zu Wartung und Reparatur vor Ort zur Verfügung.

In Deutschland ist Platzhirsch und Marktführer die Marke Geberit. Das erfahrene Haustechnikunternehmen bietet ein breites Spektrum funktioneller Lösungen an und hat in Deutschland die längste Erfahrung mit dem Produkt. Das zugrunde liegende Funktionsprinzip ist hier die elektrische Wassererwärmung mit Pumpe. Toto heißt der Herausforderer aus Japan, der seit einigen Jahren auch in Europa aktiv ist. Das Unternehmen bietet Komfortlösungen mit allen Schikanen, die nicht ganz billig sind und ebenfalls auf Pumpe und elektrisch erhitztes Wasser setzen. Neu ist ein Warmwasser-Dusch-WC des Münsterländer Haustechnik-Spezialisten TECE, das keinen Strom braucht und frisches Warmwasser aus dem Hausnetz zapft. Das Low-Tech-Dusch-WC ist mit etwas über 1.000 Euro günstig beim Sanitärfachhandel erhältlich – aber erst 2017 lieferbar. Taharet-Lösungen kommen ebenfalls ohne Tank aus: Sie sind inspiriert von Dusch-WCs aus der Türkei und verbinden pragmatischen Dusch-Komfort mit günstigem Preis.
Der Wasserstrahl eines Dusch-WCs lässt sich meist als Lady-Dusche oder Anal-Dusche nutzen. Das dominierende Kaufmotiv ist die Hygiene. Die meisten Produkte erwärmen ihr Wasser in einem Tank. Diese Konstellation kann im Falle längerer Standzeiten hygienisch bedenklich sein – Studien zur Qualität dieses Wassers liegen im Moment nicht vor. Gleiches gilt für die Anfälligkeit der Warmwassererwärmung gegen kalkhaltiges Wasser. Kalkablagerungen sind ein idealer Nährboden für Bakterien. Wem ganzheitliche Hygiene wichtig ist, der sollte sich für ein Dusch-WC mit Entkalkungs- und Desinfektionsmöglichkeiten entscheiden.

 

„Weil der Schweizer Erfinder des Dusch-WCs Hans Maurer am ersten Dusch-WC Strom gebraucht hat, sind über die Jahre immer mehr elektrische Funktionen hinzugekommen,“ so beschreibt ein Fach-Journalist die eine Hälfte der Funktionsvielfalt. Die andere Hälfte der Funktionen hat damit zu tun, dass in Japan, wo solche WCs heute Standard sind, die Menschen Tamagochi-Produkte lieben. Fernbedienungen, viele Knöpfe und viele Funktionen: Da muss jeder selbst entscheiden, was er braucht, was er mitbezahlen und später vielleicht auch mal mitreparieren lassen will. Eine gesunde Skepsis des Verbrauchers gegen allzu viel Elektronik ist einer Studie des SHK-Branchen-Demoskopen Querschiesser abzulesen.

Hygiene ist das Hauptmotiv zum Kauf des Dusch-WCs – das haben Untersuchungen ergeben. Dusch-WCs geben das gute Gefühl, wirklich sauber zu sein. Das erspart zwar nicht das Toilettenpapier, aber schont geschundene Hinterteile, weil das Papier nur zum Trocknen verwendet werden muss. Hinter vorgehaltener Hand (wer spricht schon gerne über seine Hämorrhoiden) jedoch wird schnell klar: auch medizinische Probleme vermögen die Dusch-Toiletten nachhaltig zu lindern. Zielgruppe sind deshalb vor allem die Menschen 45 plus beiderlei Geschlechts, die ja zuweilen auch über die Mittel verfügen, sich so ein WC zu gönnen.

Richtig rein wird’s nur mit Wasser

von Arnulf Hettrich

Die Reinigung des Hinterteils mit Toilettenpapier ist – unter dem Aspekt der Hygiene betrachtet – mit Sicherheit überholt. Allerdings tun sich die Menschen in Mitteleuropa schwer mit Alternativen wie der Reinigung mit Wasser. Das mag vor allem daran liegen, dass die Lösung „Dusch-WC“ (noch) nicht günstig zu haben ist. Nur langsam bröckelt das Preisniveau, zu den etablierten Herstellern stoßen neue hinzu.

Väter und Mütter haben diese Erfahrung schon gemacht: Beim Babypopo reicht ein Wisch mit dem Tüchlein und der Hintern ist sauber. Das ändert sich allerdings im Laufe eines Lebens. Mit zunehmendem Alter wird Hygiene hier aufwändiger: Das viele Sitzen, Darmträgheit durch ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel und ungesunde Dauersitzungen auf der Toilette verwandeln die zarten Hinterteile der Jugend in furchig-zerklüftete Problemzonen. Auch wenn ein Dusch-WC natürlich optimierte Hygiene für alle verspricht: Die Zielgruppe von Dusch-WCs bewegt sich eher in der zweiten Lebenshälfte.

Es kommt noch dicker: Proktologen – die Mediziner des Hinterteils – gehen davon aus, dass ein Großteil der Mitteleuropäer irgendwann mit der Diagnose Hämorrhoiden konfrontiert wird, geschätzte 70 bis 80 Prozent. Abhängig vom individuellen Krankheitsbild kann der Stuhlgang zur Qual werden – mit Sicherheit wird die Reinigung des Rektums aber komplizierter. Wird hinzuaddiert, dass mit fortschreitendem Lebensalter die Wahrscheinlichkeit für die Symptome ansteigt und die Beweglichkeit zunehmend eingeschränkt wird, dann lässt sich leicht eine Zielgruppe für den Nutzen „Dusch-WC“ identifizieren.

Frisches Wasser statt Papier

In einigen asiatischen Märkten, ganz sicher aber in Japan, haben sich die Dusch-WCs durchgesetzt. In vielen Regionen der Erde wird zudem generell frisches Wasser dem Klopapier vorgezogen oder als Unterstützung gereicht. Doch während in Asien für Dusch-WCs Preise von mehreren hundert Euro aufgerufen werden, können ähnliche Dusch-WCs in Mitteleuropa schon mal ein paar tausend Euro kosten.

In Sachen Ausstattung hat sich das Dusch-WC über die Jahre zur hygienischen Vielzweckwaffe entwickelt, viele Produkteigenschaften wurden aus den asiatischen Märkten übernommen. Eine Sitzheizung mag in zugigen japanischen Toiletten gerechtfertigt sein. In einem deutschen Bad ist sie purer Luxus. Auch die Idee von der papierlosen Toilette hat die Praxis ad Absurdum geführt: Der Warmlufttrockner, der die Hinterteile nach der Dusche abtrocknen soll, arbeitet vielen Benutzern zu langsam. Offensichtlich will auch kaum jemand auf das Kontrollwischen mit WC-Papier verzichten. Hinzu kommen eine Fülle von Funktionen, die das Dusch-WC zu einem wertvollen Investitionsobjekt machen: Viel Komfort zum folgerichtig auch komfortablen Preis.

Ein Schweizer hat’s erfunden

 

Nachdem es dem Schweizer Büromaschinenkonstrukteur Hans Maurer im Jahre 1956 nachts von einem Dusch-WC träumte, soll er beim Frühstück seiner Frau Lilly gesagt haben: „Wir fliegen bald zum Mond, aber wir tun es in dreckigen Unterhosen“. Das mit dem Mond wurde Wirklichkeit, die Antwort von Maurer auf die dreckigen Unterhosen, der Closomat, erwies sich in der Praxis als ähnlich ambitioniertes Projekt wie die Mondlandung: Rund 10.000 patentierte Dusch-WC soll Maurer zwischen 1961 und 1976 vornehmlich in der Schweiz verkauft haben. In der Hochzeit um das Jahr 2000 hatte die Firma 60 Mitarbeiter und machte 21 Millionen Franken Umsatz, wie der Zürcher Tagesanzeiger zum Tode des 95-jährigen Hans Maurer im Jahr 2013 mitteilte.

Nach Ablauf des Patentschutzes hatte es der Erfinder dann mit echten Größen zu tun: Geberit trat mit ansehnlichen Modellen in den Markt ein und in Japan tauchten Kopien des Closomaten auf, die den Markt dort eroberten. Heute haben viele Keramik- und Sanitärhersteller Dusch-WCs im Angebot. Die Technik ist meist komplex, was nicht zuletzt an der Elektronik liegt. Der Grund mag in der Evolution des Ur-Dusch-WCs von Hans Maurer liegen: Wasser wurde in einem Tank erwärmt und Richtung Gesäß gepumpt. Und wenn schon mal Strom liegt… daraus wurden elektrische Trockner, automatisch öffnende WC-Sitze, Geruchsabsaugung bzw. Filterung, Fernbedienung. Und aus Japan kam noch die Sitzheizung.

Wenn alle Fachwelt jetzt der Hausautomation das Wort redet, wird häufig vergessen, dass hier von verzahnten Systemen die Rede ist – und nicht von Einzellösungen. Denn gegen die macht sich mittlerweile eine gesunde Skepsis breit. Die Funkthermostate, die mit der geleerten Batterie auch ihren Speicher leeren, kennen viele. Sie erinnern an den Videorekorder mit jahrein jahraus blinkendem Zahlenband – der nach Stromausfall neu programmiert werden will. Fakt ist deshalb: Der Verbraucher erwartet, dass Einrichtungsgegenstände des Bades – also auch Dusch-WCs – so lange halten wie das Bad selbst. Doch die Elektronik hat ganz eigene Produktlebenszyklen, wie uns das Mobiltelefon lehrt.

Optik wie ein echtes WC

Doch zur Elektronik gibt es kaum eine Alternative: Während die Marktführer, allen voran Geberit und die Verfolger von Duravit oder Villeroy & Boch die Formensprache optimieren und daran arbeiten, dass das Produkt mehr und mehr aussieht wie ein echtes WC ohne Hightech-Anmutung, arbeiten von unten zahlreiche No-Name-Anbieter daran, den Preis zu demokratisieren. So sind im Internet Dusch-WCs schon ab 300 Euro erhältlich. Derivate von asiatischen Modellen mit vielen Tasten und Funktionen. Als markantes Qualitätsmerkmal für die Markenprodukte spricht noch immer die abgestimmte Keramik, die integrierte Technik und eine Lösung für verdeckt angebrachte Schläuche und Kabel. Aber es stellt sich schon die Frage, ob auch diese Bastion die No-Names über kurz oder lang erobern.

Es gibt Sonderwege, die sich im weitesten Sinn aus der europäischen Tradition der Reinigung mit Wasser ableiten lassen. In Finnland und auch in der Türkei bedient man sich frischen Wassers, um zusätzliche Hygiene mit wenig technischem Aufwand zu schaffen. Auf diese Idee satteln Hersteller wie Tece auf: Statt Strom gibt es warmes Wasser aus der Leitung, statt Pumpe den Druck der Haus-Warmwasserversorgung und statt Hightech einen Thermostaten.

Ob nun Hightech oder Lowtech: In den vergangenen Jahren wurden viele Werbemillionen investiert, um diesen Markt zu wecken. Immer noch sind die Marktanteile überschaubar, sollen in Deutschland bei rund einem Prozent, in der Schweiz bei sieben Prozent liegen. Weil die Regel gilt, dass der Verbraucher nur aus eigener Erfahrung klug wird, hängen in vielen Ausstellungen und auch auf den Gäste-WCs des Groß- und Einzelhandels die Testmuster. So ein Produkt muss man selbstverständlich „besessen“ haben, um sich dafür zu begeistern. Probieren geht über Prospekte studieren.

Arne Hettrich – fnoxx.de

 

 

 

 

Arnulf Hettrich ist Journalist in Stuttgart
www.fnoxx.de